Beleihungsauslauf — der wichtigste Hebel für deinen Zinssatz
Je niedriger der Beleihungsauslauf, desto günstiger der Zins. Was er ist, wie er berechnet wird und wie du ihn aktiv senkst.
Zum RechnerWas ist der Beleihungsauslauf?
Der Beleihungsauslauf (auch: Loan-to-Value, LTV) ist der Anteil deines Kredits am Beleihungswert der Immobilie — ausgedrückt in Prozent. Er ist der wichtigste Hebel, mit dem Banken den Zinssatz festlegen: je niedriger der Beleihungsauslauf, desto geringer das Risiko der Bank, desto günstiger der Sollzins.
Beleihungswert ≠ Kaufpreis
Der Beleihungswert ist nicht der Kaufpreis, den du zahlst, sondern der nachhaltig erzielbare Wert der Immobilie aus Sicht der Bank — typischerweise 80–90 % des Kaufpreises. Banken ziehen einen Sicherheitsabschlag von 10–20 % ab, um sich gegen Marktschwankungen abzusichern.
Wie wird der Beleihungsauslauf berechnet?
Formel: Beleihungsauslauf = Kreditsumme / Beleihungswert. Beispiel:
- Kaufpreis: 480.000 €
- Beleihungswert (Bank: 90 % vom Kaufpreis): 432.000 €
- Eigenkapital: 80.000 € (deckt Nebenkosten + 30.000 € Anteil)
- Kreditsumme: 452.800 € (mit 11 % Nebenkosten)
- Beleihungsauslauf: 452.800 / 432.000 ≈ 105 %
Über 100 % bedeutet, dass auch die Nebenkosten mitfinanziert werden — Banken stufen das als hochriskant ein.
Zinsstufen nach Beleihungsauslauf
Banken arbeiten mit Zinsstufen, die etwa so aussehen (Stand 2026, grobe Richtwerte für 10-jährige Sollzinsbindung):
- ≤ 60 % — Bestkonditionen, Premium-Zins
- ≤ 80 % — Standard, ca. +0,1–0,2 % gegenüber 60 %
- ≤ 90 % — ca. +0,2–0,4 % gegenüber 60 %
- ≤ 100 % (Vollfinanzierung) — ca. +0,4–0,7 %
- > 100 % (mit Nebenkosten) — ca. +0,7–1,2 %, häufig komplette Ablehnung
Auf 30 Jahre und 400.000 € Kreditsumme summiert sich jeder 0,1 %-Punkt schnell auf 10.000 € und mehr.
Wie senkst du deinen Beleihungsauslauf?
- Mehr Eigenkapital einbringen — der direkteste Hebel. Siehe Eigenkapital beim Immobilienkauf.
- Günstigere Immobilie wählen — bei gleichem Eigenkapital senkt ein niedrigerer Kaufpreis den Beleihungsauslauf.
- Eigene Immobilie als Sicherheit — wenn schon vorhanden, kann sie als zusätzlicher Beleihungswert eingebracht werden.
- Bürgschaft oder Mitdarlehensnehmer — bei schwacher Bonität helfen Bürgen, ersetzen aber kein Eigenkapital.
- Nicht-grundbuchpflichtige Förderungen — KfW-Mittel, die nicht in den Beleihungsauslauf einfließen, verbessern die Konditionen indirekt.
Beleihungsauslauf und Anschlussfinanzierung
Bei der Anschlussfinanzierung zahlt sich der Effekt erneut aus: nach 10 Jahren regulärer Tilgung ist die Restschuld deutlich kleiner — der Beleihungsauslauf für den Anschluss-Kredit liegt typisch unter 60 %, was zur besten Zinsstufe führt. Sondertilgungen und höhere Tilgung beschleunigen diesen Effekt.
Gleicht der Effekt einen niedrigeren Sollzins aus?
Häufig ja. Beispielrechnung: 480.000 € Immobilie, 50.000 € Eigenkapital → Beleihungsauslauf ~100 % → Zins z. B. 4,3 %. Mit zusätzlichen 50.000 € Eigenkapital → Beleihungsauslauf ~80 % → Zins z. B. 3,9 %. Der Zinsvorteil von 0,4 % spart über 30 Jahre bei 400.000 € Schuld rund 50.000 € — deutlich mehr als die zusätzlichen 50.000 € Eigenkapital, die du parkst.