Anschlussfinanzierung verständlich erklärt
Wenn die Sollzinsbindung deines Immobilienkredits ausläuft, brauchst du eine Anschlussfinanzierung für die Restschuld. Hier erfährst du, wie sie funktioniert, wann du sie planen solltest und wie du das Zinsänderungsrisiko realistisch einschätzt.
Zum RechnerWas genau ist eine Anschlussfinanzierung?
Bei den meisten Immobilienkrediten in Deutschland gilt der Sollzins nicht für die gesamte Laufzeit, sondern nur für die vereinbarte Sollzinsbindung (typisch 10, 15 oder 20 Jahre). Nach Ablauf dieser Bindung ist der Kredit in der Regel noch nicht abbezahlt — es bleibt eine Restschuld, die durch eine Anschlussfinanzierung neu finanziert werden muss. Der Zins dafür entspricht dem dann aktuellen Marktzins.
Drei Wege: Prolongation, Umschuldung, Forward-Darlehen
- Prolongation: Verlängerung beim bestehenden Kreditgeber. Schnell, aber selten das günstigste Angebot.
- Umschuldung: Wechsel zu einem anderen Kreditgeber. Erfordert eine Grundbuchübertragung und etwas Papieraufwand, spart aber häufig Tausende Euro.
- Forward-Darlehen: Sicherung des heutigen Zinses für eine Anschlussfinanzierung, die erst in bis zu 60 Monaten startet. Sinnvoll, wenn steigende Zinsen erwartet werden — gegen einen kleinen Zinsaufschlag.
Wann sollte ich mich kümmern?
Erfahrungswert: etwa 12 bis 36 Monate vor Ablauf der Sollzinsbindung. So bleibt genug Zeit für Vergleichsangebote, eine mögliche Umschuldung oder den Abschluss eines Forward-Darlehens. Banken kontaktieren ihre Kunden meist 6–12 Monate vorher mit einem Prolongationsangebot — das sollte aber nie blind unterschrieben werden.
Beispiel: 300.000 € Restschuld nach 10 Jahren
Angenommen, dein Hauptkredit (400.000 €, 10 J. @ 3,8 %, 2,5 % Tilgung) hinterlässt nach 10 Jahren eine Restschuld von rund 300.000 €. Die Anschlussfinanzierung kann jetzt mehrere Szenarien haben:
- Bad Case (+2 %): 5,8 % Sollzins → Monatsrate steigt deutlich, höhere Gesamtkosten.
- User Case: identischer Zins → ähnliche Belastung wie zuvor.
- Better Case (−2 %): 1,8 % Sollzins → Monatsrate sinkt deutlich, schnellere Tilgung möglich.
Im Immobiliendarlehen Rechner kannst du für jede Anschlussphase die Zinsszenarien einblenden und siehst sofort den Effekt auf Monatsrate, Zinskosten und Restschuld.
Wie kann ich das Risiko reduzieren?
- Längere Sollzinsbindung — 15 oder 20 Jahre statt 10 — reduziert die Anzahl der Risikozeitpunkte.
- Höhere anfängliche Tilgung — je niedriger die Restschuld am Ende der Bindung, desto kleiner der Hebel zukünftiger Zinssprünge.
- Volltilgerdarlehen — keine Anschlussfinanzierung nötig, der Zins ist über die gesamte Laufzeit fest.
- Forward-Darlehen — Zinssicherung im Voraus, wenn steigende Zinsen erwartet werden.
Häufige Irrtümer
- „Die Bank verlängert automatisch." — Tut sie nicht. Du musst aktiv unterschreiben — und solltest immer mindestens drei Vergleichsangebote einholen.
- „Umschuldung ist kompliziert." — Die neue Bank übernimmt die Grundbuchübertragung typischerweise gegen geringe Kosten (~100–300 €). Bei spürbarem Zinsvorteil rentiert sich das fast immer.
- „Forward-Darlehen lohnt nie." — Bei klar steigenden Marktzinsen kann der Aufschlag (typisch 0,01–0,03 % pro Vorlaufmonat) deutlich kleiner sein als die Ersparnis.