Wie viel Eigenkapital brauchst du beim Immobilienkauf?
Mindestens Nebenkosten plus 10–20 % des Kaufpreises gilt als Faustregel. Warum mehr Eigenkapital deutlich günstigere Zinsen bringt.
Zum RechnerWie viel Eigenkapital ist nötig?
Als Faustregel gelten in Deutschland zwei Schwellen:
- Mindestens die Erwerbsnebenkosten (Notar, Grundbuch, Grunderwerbsteuer, ggf. Makler — typisch 8–14 % vom Kaufpreis) — diese werden ungern mitfinanziert, weil sie keinen Beleihungswert schaffen.
- Plus 10–20 % des Kaufpreises als reines Eigenkapital für die Immobilie selbst — bessere Konditionen, kleinere Restschuld nach 10 Jahren.
Bei einer Immobilie für 480.000 € heißt das: ca. 50.000–60.000 € für Nebenkosten plus 50.000–100.000 € als Anteil am Kaufpreis — also 100.000–160.000 € insgesamt als komfortable Basis.
Beleihungsauslauf — warum mehr Eigenkapital günstiger ist
Banken stufen Immobilienkredite in Beleihungsausläufe ein — den Anteil des Kredits am Beleihungswert der Immobilie. Typische Schwellen:
- ≤ 60 % Beleihungsauslauf — beste Konditionen.
- ≤ 80 % — gute Konditionen, kleiner Aufschlag.
- ≤ 100 % (Vollfinanzierung) — deutlich höhere Zinsen, oft 0,3–0,7 % mehr.
- > 100 % (Nebenkosten mitfinanziert) — sehr hohe Zinsen oder gar keine Bewilligung.
Faustregel: jede 10-%-Schwelle weniger Beleihungsauslauf bringt etwa 0,1–0,2 % günstigeren Zins. Bei 400.000 € Kreditsumme über 30 Jahre kann das eine fünfstellige Ersparnis sein.
Was zählt als Eigenkapital?
- Sofort verfügbares Geld: Tagesgeld, Sparbuch, Festgeld.
- Bausparguthaben (auch ohne Bauspardarlehen-Phase nutzbar).
- Wertpapierdepots (mit Kursabschlag, da volatil).
- Lebensversicherungen (mit Rückkaufswert oder als Sicherheit).
- Schenkungen oder Erbvorbezüge — schriftlich dokumentieren.
- Eigenleistungen beim Bau („Muskelhypothek") — bis zu einem gewissen Anteil als Eigenkapital anerkannt.
Mit wenig Eigenkapital — was tun?
- Höhere Tilgung wählen (3 % statt 2 %) — reduziert die Restschuld schneller und kompensiert teilweise den Zinsaufschlag.
- Längere Sollzinsbindung — sichert die heute höheren Zinsen für lange Zeit.
- KfW-Förderung prüfen — verbessert die effektive Konditionen.
- Verkaufsoptionen offen halten — bei knappem Eigenkapital ist Flexibilität (kürzere Bindung, weniger Sondertilgungs-Pflicht) wichtig.
Vollfinanzierung — geht das überhaupt?
Ja, aber selten und nicht ohne Aufpreis. Voraussetzung sind in der Regel sehr stabile Einkommensverhältnisse, gute Schufa, junge Kreditnehmer und keine bestehenden Schulden. Der Zinsaufschlag liegt schnell bei 0,5–1 % über dem 80-%-Beleihungszins. Im Rechner kannst du das Szenario testen, indem du das Eigenkapital auf 0 € setzt.