Sondertilgung — wie viel sich wirklich lohnt
Mit Sondertilgungen tilgst du Tausende Euro Zinsen weg, ohne die Monatsrate anzuheben. So nutzt du das Recht richtig.
Zum RechnerWas ist eine Sondertilgung?
Eine Sondertilgung ist eine Zahlung, die du zusätzlich zur vereinbarten Monatsrate auf deinen Immobilienkredit leistest. Sie reduziert sofort die Restschuld und damit alle zukünftigen Zinsen — die Monatsrate bleibt gleich, der Kredit ist aber früher abbezahlt.
Warum Banken Sondertilgungsrechte einräumen
In den meisten deutschen Immobilienkrediten ist ein jährliches Sondertilgungsrecht von 5 % der Kreditsumme kostenfrei eingeschlossen — manche Banken bieten 10 % oder mehr. Das ist nicht reine Kulanz: ohne dieses Recht müsstest du eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen, was rechtlich kompliziert ist und Banken Verwaltungsaufwand erspart.
Wie viel spart eine Sondertilgung wirklich?
Eine vereinfachte Faustformel: Jeder Euro Sondertilgung im Jahr X spart bis zum Ende der Sollzinsbindung etwa (Restjahre × Sollzins) Cent an Zinsen. Beispiele:
- 5.000 € Sondertilgung in Jahr 1 bei 10-jähriger Bindung à 3,8 %: ca. 1.900 € Zinsersparnis über die Bindung.
- 5.000 € Sondertilgung jährlich über 10 Jahre bei 350.000 € Restschuld und 3,8 % Zins: ca. 12.000–15.000 € Zinsersparnis über die Bindung — und mehrere Jahre kürzere Gesamtlaufzeit.
Im Immobiliendarlehen Rechner trägst du den jährlichen Sondertilgungsbetrag direkt im Kredit ein und siehst die Auswirkung sofort im Tilgungsplan.
Sondertilgung oder höhere Tilgung wählen?
Beide Wege reduzieren die Restschuld:
- Höhere anfängliche Tilgung (z. B. 3 % statt 2 %): Monatsrate steigt dauerhaft, Tilgung läuft automatisch.
- Niedrigere Tilgung + Sondertilgung: Monatsrate bleibt niedrig, du entscheidest jedes Jahr neu, ob und wie viel du zusätzlich tilgst.
Sondertilgung ist die flexiblere Variante — du kannst in guten Jahren viel tilgen, in schlechten Jahren pausieren. Höhere Tilgung ist die diszipliniertere Variante, die ohne dein Zutun voranschreitet.
Wann lohnt sich eine Sondertilgung besonders?
- Wenn du Bonus-, Erbe- oder Steuererstattungszahlungen erhältst und keine bessere Anlage findest, die mehr als deinen Sollzins bringt (nach Steuern).
- Wenn die Sollzinsbindung kurz vor Ablauf steht und du die Restschuld für die Anschlussfinanzierung minimieren willst — kleinere Restschuld = weniger Zinsänderungsrisiko.
- Wenn deine Liquiditätsreserve schon ausreichend ist (Faustregel: 3–6 Monatsgehälter auf Tagesgeld).
Wann besser nicht?
- Wenn deine Notgroschen-Reserve noch nicht steht — Geld in der Immobilie ist nicht kurzfristig verfügbar.
- Wenn du höher rentable Anlagen findest (nach Steuern). Bei sehr niedrigen Sollzinsen kann eine ETF-Anlage über dem Kreditzins rentieren.
- Wenn du noch andere teurere Schulden hast (Konsumkredit, Dispokredit) — die zuerst tilgen.
Vertraglich auf Sondertilgung achten
Beim Vertragsabschluss explizit nach folgenden Punkten fragen:
- Wie hoch ist das jährliche Sondertilgungsrecht in % der ursprünglichen Kreditsumme? Standard sind 5 %, verhandelbar oft 10 %.
- Können nicht genutzte Sondertilgungsrechte ins Folgejahr vorgetragen werden? (Eher selten, aber gefragt.)
- Gibt es einen Mindestbetrag? (Manche Banken: nur ab 1.000 € Sondertilgung.)
- Bleiben Sondertilgungsrechte bei der Anschlussfinanzierung bestehen?